Archiv für 17. Januar 2008

schlechte subjektivität

Januar 17, 2008

Vor einiger Zeit gelesen und jetzt wieder hervorgekramt, passend zur ausufernden Prohibition des Rauchens: Eine (Zweit-)Veröffentlichung eines Textes von Diedrich Diederichsen in der Wiener Zeitschrift malmoe:

Ist es nicht das große Rätsel neoliberaler Gesundheitspolitik, wie mit Erfolg überall im Westen der Kampf gegen den Tabak geführt wird? Natürlich, die Tabak-Unternehmen holen sich entgangene Einnahmen, indem sie asiatische Frauen anfixen, aber freiwillig gibt niemand Märkte auf. In den USA gibt es keine unmittelbare ökonomische Motivation für den Staat, die Zigarettenkonzerne zu bekämpfen. Schäden in der Gesundheit der Bevölkerung belasten keine Krankenkassen. Die Armen sterben längst, weil sie sich den Krankenhausaufenthalt nicht leisten können, und fallen niemandem zur Last.
Nur ideologiekritische Erklärungen vermögen zu verfangen: Man soll halt in dem Gefühl verankert leben, dass jede Entspannung, jede schlechte Angewohnheit, jede „schlechte Subjektivität“ im Sinne Althussers sich rächt, dass man auf sich acht geben muss, sich nicht gehen lassen darf. Dabei passen die scheinbar gegensätzlichen Gewohnheiten, Kokain zu nehmen, um es im Job zu schaffen, und nicht zu rauchen und Sport zu treiben, um fit zu bleiben, gut zusammen: Beides fühlt sich wie ein Akt aus freien Stücken an, dient aber der Anpassung an externe Forderungen an meine Leistungsfähigkeit.

Der ganze Text: Kontrolle und Willkür (erschienen in: malmoe, 30.4.2005)

rebell styles

Januar 17, 2008

Zwei Bilder, zwischen den Jahren gefunden einmal in der FAZ und in der taz und die jeweils unterschiedlich gut gelungen mit der Geste der Rebellion spielen:

globalisierung verstehen

Eine Anzeige der „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“, eine Pressure Group für neoliberales Gedankengut, die vor allem durch indirekte Lancierung von Medienberichten auffällt.

Die Anzeige mit dem oder der Youngster_in, der durch die erbauliche Lektüre der aktuellen INSM-Publikation vom Randalieren Demonstrieren abehalten wird, ist wohl als Provokation gedacht, kommt aber in dieser Geste ziemlich altbacken daher.

globalisierung nicht verstehen

Ein Ausriß aus einer Fotostrecke. Vor ein paar Wochen bearbeitete die taz in einer Schwerpunktausgabe zum wiederholten Male den „Mythos ‘68″. Eine taz-typische Art der Selbstvergewisserung. Das Schwerpunkthema war entsprechend belanglos (ausser vielleicht das lustige Streitgespräch zwischen Götz Aly und Katharina Rutschky), lediglich das hier abgebildete Foto mit einem Demonstranten im schicken 60er Jahre Anzug, kontrastiert mit einem neckischen „Ich bin ein bewaffneter Aufstand“-Schild und einem Spielzeuggewehr, sticht heraus.