Posts Tagged ‘überwachung’

everything counts in large amounts

Februar 24, 2008

Angesichts der rasant ansteigenden Zahl von Überwachungsprojekten schiebt sich die Frage nach einer vernünftigen Verwertbarkeit dieser Datenmassen in den Vordergrund. Wenn beispielsweise die EU künftig Flugpassagierdaten 13 Jahre lang speichern will oder die deutsche Bundespolizei Zugriff auf die Daten von 29 Millionen Schiffspassagieren erhalten soll, müssen diese Exzesse der Dataveillance auch in irgendeiner Form auswertbar und mit anderen Daten verknüpfbar gemacht werden. Zur Zeit scheint die Ausbreitung eher dazu zuführen, dass Überwachungssysteme nicht nur oftmals am Rande der Legalität operieren, sondern auch weitgehend ineffizient arbeiten — glaubt man aktuellen Untersuchungen, wie u.a. in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „MaxPlanckForschung“ über deutsche Rasterfahndungen:

„Dabei (wurden) mangelhafte richterliche Kontrolle, veraltete Software, technische Schwierigkeiten und eine sehr niedrige Erfolgsquote festgestellt.“

und

„Danach führten gerade einmal 13 Prozent der Rasterfahndungen zum Ermittlungen des Täters“

Ein us-amerikanischer Bericht macht sich darüber hinaus Sorgen über die Anfälligkeit gigantischer Überwachungsspeicher — wie das derzeit geplante us-amerikanische Lauschprogramm — und zählt „ernsthafte Sicherheitsrisiken“ auf:

„Danger of exploitation of the system by unauthorized users, danger of criminal misuse by trusted insiders, and danger of misuse by government agents.“

Gleichzeitig wird so emsig wie erfolglos an der Automatisierung der Überwachung gearbeitet. Stolz meldet der Bundes-Zoll, dass seine Software XPIDER „täglich 100.000 Internetseiten“ auf der Suche nach steuerrechtlichen Verstößen abgrast. Da es aber keine Auswertung über den Erfolg dieses Überwachungstools gibt, mutmaßt heise.de:

„Gut möglich also, dass jeden Tag Hunderttausende Internetseiten gescannt werden und so gut wie nichts dabei herausspringt.“

Wenn die derzeitige Entwicklung der Überwachungsbestrebungen nicht so monströs wäre, gebe es also durchaus Grund zur hämischen Schadenfreude angesichts des Datenmülls, der da die Festplatten füllt. Wahrhaftig monströs (im Sinne einer neuen Qualitätsstufe) wird es aber, wenn erst Semantic Web und anderen Technologien zur automatischen Verknüpfung und Auswertung von Inhalten ihren Durchbruch erfahren und mit denen es gelingen könnte, den Daten „Herr“ zu werden.

überwachung & wegdrücken

Januar 11, 2008

Zum Jahresende kam es in Hamburg zu einem spektakulären Ausbruch aus dem Untersuchungsgefängnis. In den Medienberichten ist nicht mehr nur von athletischen Kletterkünsten und unbesetzten Wachtürmen die Rede, sondern auch von der Fehlbenutzung der vielzählig installierten Überwachungstechnologien:

„Mehrere Alarme sind ignoriert oder auf dem Computer weggedrückt worden“

zititiert heute das Hamburger Abendblatt die laufenden Untersuchungen und bemerkt außerdem, dass es „außerdem zu menschlichem Versagen bei der Videoüberwachung gekommen“ sei. Im Radio heißt es, dass es häufig zu Fehlalarmen der Bewegungsmelder und Infrarotsensoren im Aussenbereich durch Katzen und anderen Kleintiere kam, weshalb sich die privaten und wahrscheinlich schlecht bezahlten Wachleute angewöhnt hatten, quasi automatisch alle Alarmmeldungen wegzudrücken.

Neben einer eher billigen Häme angesichts solcher und anderer Anekdoten über das Versagen der Überwachungsapparate durch den Human Factor („If the user cannot figure out a function right away, IT IS NOT THERE or even worse“) läßt sich aber vermuten, wohin mittelfristig solche Ereignisse führen werden: Zu einer weiteren Reduktion menschlicher Beteiligung an und die weitere Aufrüstung von Überwachungsystemen. Dementsprechend meldet auch die Hamburger Justizbehörde die Installation eines weiteren „technischen Frühwarnsystems“ [NDR]